Geschichte

FTV Mannschaft 1912 in der alten Halle

Der Frankfurter Turnverein, einer der ältesten deutschen Sportvereine, entschloß sich 1860 das Fechten in sein Programm mit aufzunehmen. Doch erst nachdem die neue Halle 1878 eingeweiht wurde, kam es mit Fechtmeister Karl Adam Trub, der auch in Offenbach und in der Hermannia tätig war zur Gründung einer Fechtabteilung.
Um die Jahrhundertwende entschloß man sich „die neue italienische Schule“ einzuführen. Fechtmeister Francesco Tagliabo aus Turin unternahm diese schwere Aufgabe für die Hermannia und den FTV zusammen.

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Links: Frankfurt gegen Nürnberg. Mitte: Drei Männer 1932. Rechts: Hochzeit Rudi und Anne 1934

In den zwanziger Jahren hatte der FTV mit Willi Löffler einen Ausnahmefechter, der mit Erwin Casimir von der Hermannia zu den besten deutschen Fechtern seiner Zeit zählte. Die Deutsche Meisterschaft im Florett und Säbel im Jahr 1925 war der Beweis dafür. Auch die Bronze- Medaille im Säbel für die Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 untermauerte die Stärke der Frankfurter Fechter.

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1. Sportplatz
2. Stuttgart 1933
3. Aufführung-Girls 1931-32

Nach der Zerstörung der Halle im Jahr 1944 erlosch der Fechtbetrieb völlig. Karl Frisch organisierte den Fechtbetrieb ab 1947, und als 1954 die wiederaufgebaute Halle eingeweiht wurde, zählte die Fechtabteilung wieder 50 Mitglieder. 1948 übernahm Richard Wahl für 1 Jahr den Vorsitz der Abteilung, von 1950- 1961 leitete Paul Mahr die Geschicke, danach Fritz Lothar Jacob bis 1967. In dieser Zeit begann ein unaufhaltsamer Aufstieg des FTV 1860. Namen wie Wahl und Frisch sind heute noch jedem Mitglied der Fechtabteilung geläufig (Karl- Frisch-Gedächtnisturnier)
Von 1954 bis 1960 wurden fast alle Landesmeisterschaften in der Turnhalle am Sandweg ausgetragen und viele Titel durch TV- Fechter gewonnen. Dies war auch ein Verdienst von Istvan Szondy, der Mitte der fünfziger Jahre zu uns kam. 1963 holte unser Ausnahmetalent Max Geuter die deutsche Meisterschaft im Degen nach Frankfurt und 1969 errangen unsere Damen im Florett die deutsche Vizemeisterschaft. Max Geuter kämpfte sich bis zur nationalen Spitze durch und nahm an 3 Olympischen Spielen, 5 Weltmeisterschaften und insgesamt 108 Länderkämpfen mit großem Erfolg teil. Er übernahm 1968 auch die Abteilungsführung.

1971 war ein schwarzes Jahr für den FTV. Durch die Gründung des UFC wanderte ein großer Teil der Spitzenfechter ab. Max Geuter und Werner Scholz blieben der Abteilung erhalten. Leider musste Max aus beruflichen Gründen nach Gröbenzell ziehen und so hielten u.a. nur Werner Scholz und Felix Pieper den Fechtbetrieb aufrecht. Als Trainer arbeitete seinerzeit Christian Korman einige Stunden bei uns, aber in Ermangelung von Jugendlichen, konnte er nicht viel bewegen.

Ende 1986 stand die Fechtabteilung vor einer existentiellen Krise. Der Mitgliederbestand war auf ca. 20 Personen abgesunken und nur ein Jugendlicher wurde von unserem Trainer lektioniert. Der Hauptvorstand stellte die verbliebenen Mitglieder nun vor eine Entscheidung. Entweder es wird ein neuer tatkräftiger Vorstand gewählt, oder die Abteilung wird geschlossen. Das sorgte dafür, dass die Abteilung sich im Januar 1987 zusammenraffte und einen neuen Vorstand wählte: 1. Vorsitzender: Götz Remus 2. Vorsitzende: Karolyn Bernbach 3. Kassenwart : Harald Stauffer

Durch die Tatsache dass die Bornheimer Fechtabteilung geschlossen wurde, und 20 Fechter und Fechterinnen unter der Leitung von Geza Hideghety und Günther Märtens zu uns kamen, und auch in Offenbach einige Säbelfechter mit Karl-Heinz Knauff zu uns wechselten, konnte die Abteilung sofort bei den Mitgliederzahlen kräftig zulegen. Es folgte in den nachfolgenden Jahren ein starker Aufschwung, der durch die Einstellung von Trainern wie Georg Bardetzky und Odo Gabriel auch qualitativ zu enormen Erfolgen führte. Nach dem Weggang von Herrn Bardetzky konnte durch die Vermittlung von Geza Hideghety, Janos Gastony aus Ungarn eingestellt werden und in den späten 90iger Jahren noch Johannes Zwack.

1989 kam dann auch von der Familie Ebert, die zwei Kinder in der Abteilung hatte, der Vorschlag, ein Jugendturnier zu sponsern. So entstand der Elektro-Ebert-Pokal, der weit über Hessen hinaus Bedeutung gewann, da in den ersten Jahren nach der Wende Vereine aus Russland, Rumänien, Ungarn, Tschechien und Polen kamen, die einen enormes Qualitätsniveau mitbrachten, und auch Vereine wie z.B. Tauberbischofsheim bewogen, an diesem Turnier teilzunehmen. Daher kam es, dass teilweise bis zu 350 Starter und Starterinnen aus 10 Nationen bei uns zu Gast waren. Dieser ungewöhnliche Aufschwung war nur möglich, da ein Dutzend Eltern begeistert und tatkräftig dem Vorstand halfen, bei der Verpflegung, den Übernachtungen und der Betreuung unserer ausländischen Gäste mitzumachen.

1990 wurde das Poolfechten eingeführt, um den Mitgliedern einmal pro Woche eine turnierähnliches Abendprogramm zu bieten und einen Anreiz zu geben den zuerst unbeliebten Montagabend als Trainingstag zu akzeptieren.

Durch die mustergültige Arbeit von Odo Gabriel dominierten unsere Degenmädchen jahrelang in Hessen und gewannen 5 x hintereinander die Meisterschaft.

Als im Januar 1997 nach Vorankündigung der gesamte Vorstand zurücktrat, stürzte die Abteilung wieder in eine schwere Krise. Der Mitgliederbestand ging fast auf die Hälfte zurück und in den kommenden Jahren wechselten die Abteilungsleiter in kurzen Abständen. Abteilungsleiter in den kommenden 10 Jahren waren: J.H. Muche, Kristian Kramer, Bärbel Schulze, Elke Vogt und Wolfgang Moll.

Erst 2007 als Erika Fenner die Abteilungsleitung übernahm stieg die Mitgliederzahl wieder kontinuierlich an. Durch unseren neuen Trainer Arkadi Miretski, der 1999 zu uns kam und Janos Gastony und Johannes Zwack ersetzte, stellten sich auch wieder die ersten Erfolge ein.

Die Firma Ebert zog sich 1997 nach dem Rücktritt des alten Vorstandes ebenfalls zurück und nur durch den Einsatz des Hauptvereins, konnte das Turnier, das 1998 das erste Mal nicht stattfand, unter dem jetzigen Namen FTV-Jugendpokal gerettet werden und ab 1999 zur alten Blüte gebracht werden.

2006 erhielt der FTV-Jugendpokal den Status eines Qualifikationsturniers für die hessische Rangliste und 2016 konnten wir uns über das 25-jährige Jubiläum des Turniers freuen.

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  1. Eva Mohr-Matuschek hält Rücksprache mit Trainer Arkadi Miretski 2. Internationaler Jugendturnier um den FTV-Pokal 2009, li der Sieger im He-De-Jun, David Wyrobnik

Die Abteilung pflegt bewußt internationale Kontakte: Unter der Schirmherrschaft der Stadt Frankfurt am Main und gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk nehmen wir seit Juli 2010 an einem Jugend-Austausch mit einem Sportverein aus unserer Partnerstadt Lyon teil.

2015 konnte die Fechtabteilung das 30-jährige Jubiläum der Frankfurter Schulmeisterschaft feiern. Bei diesem Turnier können Fechtanfänger und Teilnehmer von Schul-AGs ihre ersten Erfahrungen im Wettkampf sammeln und natürlich sind auch die erfahren Fechter/innen stolz für ‘ Ihre Schule’ antreten zu können und den Pokal für die Schulwertung zu gewinnen. Zur Zeit bietet die Fechtabteilung im Rahmen des Projekts „Schule, Kindergarten und Verein“ eine Fecht-AG mit dem Heinrich-von-Gagern-Gymnasium an.

Obwohl wir kein Landes- oder Olympiastützpunkt sind, holen Fechter/innen unserer Abteilung jedes Jahr Medaillen bei den Hessischen Meisterschaften und sind in allen Altersklassen für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. 2017 führt unsere Fechterin Helena Lentz zur Zeit die Deutsche Rangliste der A-Jugend an und war für die Teilnahme bei der EM (3/17) und WM (4/17) der Kadetten in Plovdiv /Bulgarien qualifiziert. Bei der EM belegte Sie den 29. Platz im Einzel und den 9. Platz mit der Mannschaft. Bei der WM erreichte sie Platz 54. Ausserdem wurde sie am 22.4.17 Deutsche Vizemeisterin der A-Jugend.

Bei uns leben Leistungsport und Breitensport in friedlicher Koexistenz und die Ausbildung der Jugendlichen zum Kampfrichter und C-Trainer wird gefördert.